Einträge in Umsatzsteuer
Was ist eine ordnungsgemäße Rechnung?

Wer beim Vorsteuerabzug auf Nummer sichergehen will, sollte nur solche Rechnungen akzeptieren, welche alle Rechnungsmerkmale des Umsatzsteuergesetzes beinhalten. Wir haben für Sie die verschiedenen Varianten zusammengefasst:

Ordnungsgemäße Rechnung gem § 11 UStG

Eine ordnungsgemäße Rechnung muss - um zum Vorsteuerabzug zu berechtigen - folgende Merkmale aufweisen :

  • Name und Anschrift des liefernden oder leistenden Unternehmers

  • Name und Anschrift des Leistungsempfängers

  • Menge und handelsübliche Bezeichnung der Gegenstände bzw. Art und Umfang der Leistungen

  • Tag/Zeitraum der Lieferung oder sonstigen Leistung

  • Entgelt für die Lieferung/sonstige Leistung und der anzuwendende Steuersatz bzw. bei Steuerbefreiung einen Hinweis auf diese

  • den auf das Entgelt entfallenden Steuerbetrag

  • Ausstellungsdatum (wenn dieses gleich ist mit dem Tag der Lieferung oder sonstigen Leistung, genügt der Vermerk “Rechnungsdatum ist gleich Liefer- bzw. Leistungsdatum“)

  • Fortlaufende Nummer

  • Umsatzsteueridentifikationsnummer (UID-Nummer) des Ausstellers der Rechnung

  • UID-Nummer des Leistungsempfängers
    - auf Rechnungen mit einem Gesamtbetrag über EUR 10.000,- inkl. USt,
    - bei Reverse Charge oder innergemeinschaftlichen Lieferungen: wenn die Steuerschuld auf den Leistungsempfänger übergeht

  • bei Anwendung der Differenzbesteuerung hat ein Hinweis auf diese zu erfolgen (z.B. Antiquitätenhandel)

  • Wird die Rechnung in einer anderen Währung als Euro ausgestellt, ist der Steuerbetrag zusätzlich in Euro anzugeben.

Erleichterung bei der Rechnungsausstellung an Private 

Sämtliche Rechnungsmerkmale müssen nur auf Rechnungen an Unternehmer aufscheinen, wenn die verrechneten Leistungen für deren Unternehmen ausgeführt wurden. Rechnungen an Private müssen diese Merkmale grundsätzlich nicht enthalten.

Die Belegerteilungspflicht ist davon nicht betroffen. Diese Regelung ist in der Bundesabgabenordnung verankert und steht in keinem Zusammenhang mit den Rechnungsmerkmalen des Umsatzsteuergesetzes.

Kleinbetragsrechnung

Bei Rechnungen deren Gesamtbetrag EUR 400,- inkl. Umsatzsteuer nicht übersteigt, genügen folgende Angaben:

  • Name und Anschrift des liefernden oder leistenden Unternehmers

  • Menge und handelsübliche Bezeichnung der Gegenstände bzw. Art und Umfang der Leistungen

  • Tag/Zeitraum der Lieferung oder sonstigen Leistung

  • Entgelt und Steuerbetrag in einer Summe

  • Steuersatz

  • Ausstellungsdatum

Die Vereinfachungsbestimmungen für Rechnungen bis zu EUR 400,- gelten nicht für innergemeinschaftliche Lieferungen. Diese Rechnungen müssen jedenfalls einen Hinweis auf die Steuerbefreiung sowie die UID-Nummer des liefernden Unternehmers und des Abnehmers enthalten. 

Rechnungen bei innergemeinschaftlichen Lieferungen 

Bei innergemeinschaftlichen Lieferungen hat der leistende Unternehmer

  • die UID-Nummer des Leistungsempfängers anzugeben: Nummer sollte nach Stufe 2 auf Richtig- und Zugehörigkeit überprüft werden 

  • Anstelle des Steuerbetrags bzw. Steuersatzes ist ausdrücklich auf die Steuerfreiheit der innergemeinschaftlichen Lieferung hinzuweisen

Sollte fälschlicherweise Umsatzsteuer ausgewiesen werden, wird diese kraft Rechnung geschuldet, berechtigt den Leistungsempfänger jedoch nicht zum Vorsteuerabzug.

Rechnungen bei Reverse Charge 

Beim Reverse Charge hat der leistende Unternehmer  

  • die UID-Nummer des Leistungsempfängers anzugeben und 

  • einen Vermerk anzuführen, dass die Steuerschuld auf den Leistungsempfänger übergeht 

Autor: Andrea Ludwig

Quelle: Umsatzsteuergesetz 1994, Bundesministerium für Finanzen

Umsatzsteuerliche Behandlung von Gutscheinen ab 01.01.2019

Das Bundesministerium für Finanzen hat im Rahmen des aktuellen Wartungserlasses 2018 der Umsatzsteuerrichtlinien seine Rechtsansicht zur umsatzsteuerlichen Behandlung von ab 01.01.2019 ausgestellten Gutscheinen dargelegt und diese an die Judikatur von Höchstgerichten und EU-Richtlinien angepasst.

Wir haben für Sie die wichtigsten Informationen zusammengefasst:

Was genau ist ein Gutschein?

Ein Gutschein verpflichtet einen Unternehmer, diesen als Gegenleistung für eine Lieferung oder Dienstleistung anzunehmen. Voraussetzung hierfür ist, dass die zu erbringende Leistung oder die Identität des möglichen leistenden Unternehmers und die Einlösungsbedingungen auf dem Gutschein selbst oder in damit zusammenhängenden Unterlagen angegeben sind.

„Gutschein ist Gutschein…oder?“

Nicht ganz, neu ist die Unterscheidung zwischen Einzweck-Gutscheinen und Mehrzweck-Gutscheinen.

Einzweck-Gutschein

Ein Einzweck-Gutschein liegt vor, wenn

  • der Ort der Leistungen, auf die er sich bezieht, und

  • die dafür geschuldete Umsatzsteuer

bei der Ausstellung des Gutscheins feststehen.

Beispiele:

  • Gutschein für ein Möbelstück, der in allen Filialen und bei Franchisenehmern in ganz Österreich eingelöst werden kann

  • Gutschein über € 200,00 für die Erstellung des Jahresabschlusses bei einem Steuerberater in Österreich

Mehrzweck-Gutschein

Ein Mehrzweck-Gutschein ist jeder Gutschein, bei dem es sich nicht um einen „Einzweck-Gutschein“ handelt.

Mehrzweck-Gutscheine berechtigen zum Bezug von Waren nach freier Wahl oder nicht konkretisierten Dienstleistungen.

Auch Gutscheine, die zum Bezug von Leistungen oder Waren in unterschiedlichen Ländern berechtigen, stellen Mehrzweck-Gutscheine dar.

Bespiele:

  • Gutschein über einen Restaurantbesuch über € 100,00. Da sowohl Getränke als auch Speisen konsumiert werden können, unterliegt dieser Gutschein unterschiedlichen Steuersätzen. Somit steht die dafür geschuldete Umsatzsteuer zum Zeitpunkt der Ausstellung des Gutscheins noch nicht fest.

  • Gutschein über Modewaren im Wert von € 50,00, der sowohl in Österreich als auch in Deutschland in allen Filialen des Gutscheinausstellers eingelöst werden kann. Hier steht der Leistungsort noch nicht fest.

Hiervon ausgenommen und damit keine Einzweck- oder Mehrzweck-Gutscheine sind:

Preiserstattungsgutscheine

Berechtigen zu einer nachträglichen Vergütung

Preisnachlassgutscheine

Berechtigen zum verbilligten Erwerb einer Leistung

Umsatzsteuerliche Folgen für Unternehmer

Bei einem Einzweck-Gutschein ist bereits ab dem Zeitpunkt der Übertragung (Ausstellung) von der Erbringung der Leistung, auf die er sich bezieht, auszugehen. Wird ein Gutschein übertragen, führt dies zur Entstehung der Steuerschuld.  Die Umsatzsteuer wird auch dann geschuldet, sollte der Gutschein später nicht eingelöst oder durch einen Dritten übertragen werden.

Die Übertragung eines Mehrzweck-Gutscheines stellt hingegen noch keinen steuerbaren Vorgang dar. Erst die tatsächliche Leistungserbringung (Einlösung des Gutscheins) unterliegt der Umsatzsteuer und führt zum Entstehen der Umsatzsteuerschuld.

Unsere Empfehlung

Obwohl sich das seit dem 01.01.2019 gültige Konzept mit den früheren Bestimmungen (Grad der „Konkretisierung“ der Leistung) ähnelt, kann es dennoch zu Unterschieden bei der Einstufung als Einzweck- oder Mehrweck-Gutscheinen und somit zu einer anderen umsatzsteuerlichen Behandlung kommen. Unternehmen sollten aufgrund der Neuregelung jedenfalls eine Einzelfallprüfung ihres Gutscheinportfolios vornehmen.

Unser Team von Holzinger Steuerberatung unterstützt Sie gerne individuell mit unserem Know-How. Bitte nehmen Sie Kontakt auf unter office@holzinger.tax.

Autor: Petra Rodek

Quellen:

Wartungserlass 2018

Richtlinie (EU) 2016/1065

BMF – Rechtsnews

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